Reliquie und Plastinat
Befürworter der Ausstellung verweisen immer wieder auf die Parallele von Reliquie und Plastinat: Die öffentliche Zurschaustellung von Toten sei gar nicht so selten in der Geschichte, vor allem auch der Geschichte der Kirche.
"Man denke nur an die zahllosen Gebeine und Schädel, die
früher in den Galerien der Ossuarien zur Schau standen, an
einbalsamierte Heilige und an die ausgetrockneten Leichen, die bis heute
in den Mumienfriedhöfen Roms und Siziliens besichtigt werden können."
Franz Josef Wetz verweist auf den Jahrhunde alten katholischen
Reliquienkult, bei dem Körperteile, Knochensplitter, Gebeine, Schädel,
manchmal "ganze Leiber auf Altären in gläsernen Särgen besichtigt
werden". "Vom Mittelalter bis in die Barockzeit und darüber hinaus
bediente die Kirche dieses Schaubedürfnis ihrer Gläubigen, (...). Eine
Störung der Totenruhe sah man darin nicht." Er kommt zum Schluss: "Vor
diesem Hintergrund läßt sich die Kritik insbesondere der katholischen
Kirche an 'Körperwelten' nur schwer nachvollziehen, haben doch diese
Ausstellung und der Reliquienkult der vergangenen Jahrhunderte eines
gemeinsam: Die öffentliche Schaustellung echter Toter."
(Zitiert
nach: Franz Josef Wetz: Totenruhe, Leichenwürde und die Macht des
Blicks. In: Wetz/Tag (Hrsg.), Schöne Neue Körperwelten. Stuttgart 2001,
S. 94ff. "Schau der Reliquien".)
Gunter von Hagens spielt
übrigens mit dieser Parallele, wenn er in der Pose des
Ganzkörperplastinats "Muskelmann mit Haut" an die Darstellung des
Heiligen Bartholomäus erinnert, der dem Weltenrichter seine bei
lebendigem Leibe abgelöste Haut präsentiert, damit sie sich am Ende der
Zeit wieder mit Fleisch fülle.
- Was denken Sie - sind die Plastinate eines Gunter von Hagens mit Reliquien gleichzusetzen?
- Informieren Sie sich weiter über Argumente für und gegen die Körperwelten-Ausstellung

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